So

28

Jun

2009

Licht und Schatten

 

Ich glaube, dass ich nie so viele Lesungen des Bachmann-Wettbewerbs (die neue Bezeichnung lasse ich mal außen vor) eines Jahrganges gehört habe wie in den letzten Tagen.

Zudem war ich sehr von Christiane Neudecker angetan, deren Geschichte davon handelt, dass sich ein Mann in seinen eigenen Schatten verwandelt. Diese meisterhafte Komposition, welche als tiefgründig und unterhaltsam beschrieben werden kann, schaffte es zwar in die „Short list“, wurde jedoch mit keinem Preis bedacht.

 

Gedanken sind frei, und so gibt es – neben der Qualität des Textes – einen weiteren Aspekt, der mich erstaunt hat. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich die Idee zu einem Jugendbuch hatte, welches eine ähnliche Thematik ausgestalten sollte. Die ersten zwei oder drei Kapitel waren bereits geschrieben, als mir eine andere Idee ein Schnippchen schlug, und hernach die Geschichte vom Schatten irgendwo in einem Ordner abgelegt ist, und vielleicht bis zum St. Nimmerleins-Tag auf eine Fortsetzung hofft.

 

Am dritten Lesetag folgte dann noch der Auftritt einer jungen Religionslehrerin aus Wien namens Caterina Satanik. Ihr Text versprüht Wiener Charme, dem einige der Juroren nicht widerstehen konnten. Das austriakische an dieser Geschichte kann nur als ungewöhnlich bezeichnet werden. Ausdrücke wie Leiberl oder Häferl sind in Deutschland oder der Schweiz wohl nicht so geläufig. Eine Jurorin sprach sogar von einem „Haferl“. Jetzt konnte ich eruieren, dass Frau Satanik durchaus die Gunst des Publikums hatte, und bei der diesbezüglichen Abstimmung den zweiten Platz belegte, besiegt nur von einem Herrn, der in einem Outfit auftrat, das dazu angetan war, ihm zuzurufen, dass er es gegen ein Fetzenleiberl und kurze Hosen tauschen solle! Aber hätte Herr Krampitz diesen Hinweis umsetzen wollen?

 

Über den Sieger des Bachmann-Preises und die weiteren Preisträger will ich gar nicht mehr groß schreiben. Irgendwie setzten sich letztlich die „Favoriten“ durch, sprich jene Autoren, deren Prosa gut in die Bachmann-Wettbewerb-Historie hineinpasst. Qualitativ fand ich die Texte der beiden Damen besser, aber sie werden sicher auch ihren Weg machen.

 

Bleibt nur noch darauf hinzuweisen, dass ich nächstes Jahr endlich bemüht sein sollte, selbst eine Geschichte zu verfassen, die gut in das Konzept des Wettbewerbs passt, was noch gar nichts heißt. Denn auf einen Wettbewerb hinzuschreiben bringt nichts. Ich werde versuchen, ein Sujet zu finden, das einen Farbkleckser in die Literatur-Landschaft in Klagenfurt setzt, und sicher – sollte ich eingeladen werden - keine einzige Seite eines Textes verspeisen, den ich selbst verfasst habe.

 

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Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.