Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Mi

10

Jun

2009

Prager Autorenfestival 2008

 

Unglaublich, dass es schon wieder ein Jahr her ist, als ich meinem Lieblingsautor Paul Auster beim Autorenfestival in Prag begegnete. Er stellte seinen Film „The inner life of Martin Frost“ vor, beteiligte sich an einer Diskussion mit dem Schwerpunkt 1968 und hielt eine Lesung aus seinem Roman „Man in the Dark“.

 

An meinem vorletzten Tag in Prag hatte ich das Glück, in unmittelbarer Nähe von Paul Auster und seiner Frau Siri zu sitzen. Und ich konnte Paul dabei beobachten, wie er ein rotes Notizbuch nahm, und sich etwas notierte.

 

Ich bin damals noch nicht auf die Idee gekommen, mal ein Werk von ihm im Original zu lesen. Doch das Schicksal meinte es gut mit mir und wenige Monate nach dem Festival führte ein Englisch-Kurs, der von einem ausgezeichneten Trainer gehalten wurde, dazu, dass ich das Wagnis auf mich nahm, „The new york Trilogy“ im Original zu lesen. Ich hatte schon ein wenig Vorerfahrung, weil ich „The old man and the sea“ und „Benjamin Button“ im Original gelesen hatte. Nun also dieses fantastische Werk von Paul Auster.

 

Durch die verstärkte Konzentration las ich die drei Erzählungen im Original viel langsamer und mit mehr Aufmerksamkeit als ein in die deutsche Sprache übersetztes Buch. Somit sog ich die Wörter buchstäblich in mich ein, und es dauerte mehrere Wochen, um die drei Geschichten zu bewältigen. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, alles verstanden zu haben. Doch es ist nicht übertrieben, von einem Verständnis zu schreiben, das bei etwa 70 % liegt. Die anderen 30 % habe ich mir irgendwie zusammengereimt bzw. davon profitiert, dass ich die Erzählungen schon mehrmals auf Deutsch gelesen hatte.

 

Als ich an das Ende der „New York Trilogy“ im Original gelangt war, fühlte ich so etwas wie Stolz. Nicht nur darauf, dass es mir gelungen war, dieses Buch fertig zu lesen. Mehr noch, weil ich eines meiner absoluten Lieblingsbücher im Original gelesen hatte, und die Begeisterung keine Grenzen kannte. Die Qualität der Sprache von Paul Auster können freilich die englische Sprache beherrschende Literaturkenner weit besser beurteilen als ich. Dennoch habe ich mehr als nur eine Ahnung dieser Qualität gefühlt.

 

Die Begegnung mit Paul Auster wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es hatte etwas von Magie an sich, insbesondere auch, weil ich mich spontan entschied, Paul nicht anzusprechen, obzwar ich durchaus mit ihm in Kontakt hätte treten können. Diesen Mann zu beobachten, zu sehen, wie er sich darstellt oder eben nicht darstellt, weil er einen sehr zurückhaltenden, bescheidenen Eindruck vermittelte, war für mich mehr als genug. Ein sehr bedeutungsvoller Wunsch war in Erfüllung gegangen, und wer weiß, ob es je zu einer zweiten Begegnung kommen wird…

 

© Milena Findeis

 

 

 

 

 

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.