Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Fr

29

Mai

2009

Emmi Rothner und Leo Leike

 

Jetzt, wo ich diesen fantastischen E-Mail-Roman fertig gelesen habe, freue ich mich umso mehr, dass Daniel Glattauer mein Text unter dem Motto „E-Mail-Flirt“ (freilich mit den Protagonisten Emmi Rothner und Leo Leike!) so sehr zugesagt hat, und er mir einen Preis zuerkannte!

 

Tatsächlich ist „Alle sieben Wellen“ eine wunderbare Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“. Das wohl einzige (und winzige) Manko mag sein, dass der Autor den Weg zum Ende hin mehr und mehr beschleunigte, und der Leser schließlich ein wenig verwundert ausrufen mag: War es das schon, oder kommt da noch was, oder wird doch noch ein dritter Roman folgen? ( könnte O-Ton Emmi Rothner sein) – oder aber Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ist das Ende so vorgesehen? Und brennt jetzt auf Top 15 oder anderswo weniger Licht, weil Strom gespart wird? (könnte O-Ton Leo Leike sein).

 

Nun ja, eine zweite Fortsetzung hätte durchaus Reiz. Und es muss ja nicht immer die E-Mail-Form sein (möglicherweise aber doch).

 

Ich glaube, diese beiden fiktiven Figuren, die sich ausschließlich per E-Mail in Szene setzen bzw. ein Bild im Anderen ergeben, sind im Laufe der Zeit zu meinen Freunden geworden. Zwei völlig verschiedene Menschen, deren Eigenarten so herrlich schrullig sind, dass ich buchstäblich hingerissen sein muss…

 

Das Eigenartige an E-Mails ist ja, dass die Sender (zumindest sehr viele davon) meinen mögen, aufgrund der Möglichkeit, eine Nachricht an einen Empfänger ohne Zeitverzögerung übersenden zu können, müsse die Antwort sehr schnell ausfallen. Selbstverständlich ist das ein Trugschluss. Kein Empfänger ist dazu gezwungen, innerhalb von zwei oder vier Minuten eine an ihn gerichtete E-Mail zu beantworten, außer es besteht eine besondere Beziehung, wie sie zwischen Emmi und Leo gegeben ist. Da ist es ganz sicher so, dass die neuen Mails des Mail-Partners mit Herzklopfen und Bangen erwartet werden. Daniel Glattauer hat eine Geschichte geschrieben, die Menschen überall auf dem Planeten in ähnlicher Form erleben können. Worte sind nicht immer nur Schall und Rauch, Worte können sehr viel bewegen, und Menschen sogar dazu veranlassen, ihr Leben zu überdenken und in letzter Konsequenz eine radikale Änderung der Lebensgewohnheiten anzustreben.

 

Ich werde „Alle sieben Wellen“ an einen besonderen Platz in meinem Bücherregal stellen. Nicht nur, dass der Roman zu meinen Lieblingsbüchern zählt, ist er gleichzeitig eine wertvolle Erinnerung daran, wie angetan der Autor höchstselbst von dem Text war, den ich in Anlehnung an die E-Mail-Korrespondenz von Emmi und Leo verfasst habe.

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.