Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Do

07

Mai

2009

Glattauer-Schreibwettbewerb

 

 

Gestern war ich bei der Lesung von Daniel Glattauer, der auf ungewöhnliche Weise aus  „Alle sieben Wellen“ vortrug. Den Systemmanager und die männliche Rolle – also Leo Leike – sprach er selbst, die Stimme von Emmi übertrug er jedoch per I-Pod. Es war ungewöhnlich, einem Autor beim Bedienen eines I-Pod zuzusehen, und damit alternierend seinem Lesen von E-Mail-Korrespondenz zu lauschen. Ungewöhnlich und gleichermaßen erquicklich.

 

Die Lesung hatte geschätzte 150 Frauen und 10 Männer auf den Plan gerufen. Rund um mich herum saßen, standen und lungerten Frauen jeden Alters und ein Mann mit Hinterhauptglatze ergänzte mein Sichtfeld. Die Zeit verging wie im Flug, und als kleinen Bonus bekannte sich Daniel Glattauer dazu, eine Vorliebe für seine Kolumnen zu haben, und dies brachte den Saal für geschätzte 17 Minuten zum Kochen.

 

Er beantwortete die Fragen der Interviewerin mit Bravour, und erzählte auch ein wenig von seinem Dasein als Autor, und was es überhaupt bedeute, Autor zu sein. Kein Mensch könne von sich einfach sagen: „So, und jetzt bin ich Autor!“ Vom Dasein als Autor mögen nur die wenigsten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Also sei der Autor gezwungen, auch etwas Anderes zu machen. In seinem Fall sei erst der Journalismus und dann das Autorenhandwerk gewesen. Und nunmehr habe er dank des überraschenden Erfolges von „Gut gegen Nordwind“ die Möglichkeit, ein Autoren-Dasein auszuprobieren. Eine Rückkehr in den Journalismus ist natürlich nie ausgeschlossen…

 

Der Grund, warum ich überhaupt auf diese Lesung aufmerksam wurde, ist die Zuerkennung des zweiten Preises des Glattauer-Schreibwettbewerbes an mich. Gestern wurde ich per

E-Mail davon verständigt, dass ich den zweiten Preis gewonnen habe. Und als ich dann die Webseite des Autors Daniel Glattauer besuchte, wurde ich darauf aufmerksam, dass er zufälligerweise am selben Tag eine Lesung in Wien hatte, an dem ich eben über den zweiten Preis des Glattauer-Wettbewerbes informiert worden war.

 

Das Besondere an diesem Wettbewerb war, dass Daniel Glattauer die eingelangten Texte selbst gelesen hat. Die Aufgabe bestand darin, einen kleinen E-Mail-Dialog zwischen Leo Leike und Emmi in Hinblick auf die E-Mail-Flirt-Dynamik zu verfassen. Und nun also hatte Herr Glattauer offenbar Gefallen an meinem Dialog gefunden, und ich darf mich darauf freuen, bald den Preis in Empfang nehmen zu können. Der erste Preis wäre übrigens eine Reise nach Wien inklusive Besuch einer Lesung des Autors Daniel Glattauer gewesen. Ich gab schon vorab bekannt, auf diesen ersten Preis – im Fall des Falles – verzichten zu wollen.

Somit könnte es sogar sein, dass meine Geschichte durchaus auch Potenzial für einen ersten Preis gehabt hätte, doch insgeheim habe ich in diesen ersten Preis gestern anlässlich der Lesung hineingeschnuppert. Und wie oft kommt es schließlich vor, dass ein Autor gleich zwei Preise eines Schreibwettbewerbs abstauben mag?

 

Es wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, ob ich für den ersten Preis vorgesehen hätte sein können. Vielleicht habe ich ja einer Nicht-Wienerin oder einem Nicht-Wiener zu einer netten Reise in meine Heimatstadt verholfen. Dann kämen zu meinen „zwei“ Preisen noch ein weiterer hinzu, den ich indirekt „gespendet“ habe. Ich philosophiere nur mal so vor mich hin wie Leo Leike und Emmi. Die beiden haben mir herrliche Lesestunden beschert, und ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die ich nicht nur lesen, sondern auch hören werde. Natürlich sind es nicht die beiden, sondern ihr Schöpfer, Herr Glattauer. Und wie sagte er so schön: Er habe es genossen, Emmi zu schreiben, und sei erst mit einem Glas Rotwein für Leo Leike warm geworden, oder so ähnlich.

 

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Autor von einem anderen Autor prämiert wird. Diesen zweiten Preis werde ich so schnell nicht vergessen, wenn überhaupt.

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.